Die Geschichte von X-Island erzählt sich in verschiedenen Kapitel, von denen jedes wiederum in einzelne Tage unterteilt ist.
Folgende Kapitel sind bereits geschrieben:
1) The lost Kingdom, von Sarah Nullmeyer, 2008
2) Martin und die Piraten, von Sarah Nullmeyer, 2009
3) Siedlerleben, von Jamin Masquiren, 2010
4) Ritterlich auf X-Island, von Natascha Brönnimann, 2011
Viel Vergnügen beim Lesen und Eintauchen in die geheimnisvolle Welt der neu entdeckten Insel!
The Lost Kingdom
Tag 1:
Gestrandet
Ein Schiff mit hunderten von mutigen Entdeckern und Entdeckerinnen brach vor Wochen von entfernten Uferküsten auf, um neue Abenteuer zu erleben, neue Welten zu entdecken und unbekannte Länder zu erobern. Doch ein unerwarteter Sturm überraschte die Mannschaft. Das Schiff wurde zum Spielball der Wellen. Segel zerrissen, das Steuerruder zerbrach und die Mannschaft kämpfte ums überleben. Nach etlichen Tagen auf offener See strandeten sie im Morgengrauen auf einer unbekannten Insel… Durch die unsanfte Landung auf der Insel, ist der Schiffsinhalt über die ganze Insel verstreut Die Schiffbrüchigen müssen nun ihr überleben sichern. Es geht darum Nahrung und Unterkunft zu gewährleisten. Nach und nach entsteht durch fleissige Helferhände die "Island-Base", unser Feriendorf. Die kreative Ader der Abenteurer und Abenteurerinnen verschönern unser Basis-Lager und machen es ungemein gemütlicher. Es gilt zuerst einmal anzukommen, sich einen Überblick zu verschaffen und uns auf unser Inselabenteuer einzustellen. So langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Spannung erfüllt die Schiffsbrüchigen... Was uns auf dieser Insel wohl noch alles begegnen wird?
Tag 2:
Kleider
Nahrung haben wir nun genug, und auch für die Unterkunft ist gesorgt… aber schaut euch nur an! Die Kleider sind durch die Landung völlig zerschlissen! Wir müssen unbedingt neue T-Shirts haben! Aber es ist gar nicht so einfach in der Wildnis an solche TShirts ranzukommen… da wartet ein Hindernis nach dem anderen… Actionprogramm: Hindernissparcour Bastelprogramm: T-Shirts malen
Tag 3:
Überblick verschaffen
Beim Erkunden der Insel stossen wir auf mysteriöse Stofffetzen. Mutig schlagen wir uns durchs Dickicht und finden immer weitere Stücke. Wir versuchen die Zeichen darauf zu deuten und erkennen schemenhaft die Umrisse einer Landkarte... wie ein Puzzle setzt sich eine grobe Skizze der Insel zusammen: Eine Schatzkarte entsteht! Wohin uns dir Karte wohl führt?
Tag 4:
Crook
Die gestrandete Mannschaft hat sich nun einen ersten Überblick über die Insel verschafft und auch schon einige entdeckerfreudige Schritte ins Landesinnere gewagt. Doch auch der Bösewicht der Insel, der fiese Mr. Crook schläft nicht... Schon längst hat er die Ankunft der Eindringlinge bemerkt und wittert die Gefahr. Auf hinterlistige Art und Weise versucht er die X-Island-Crew von der Insel zu vertreiben. Er selbst macht sich auf und gebietet den Schiffbrüchigen schleunigst abzuhauen. Doch die Mannschaft ist fest entschlossen sich nicht vertreiben zu lassen. Mürrisch stösst Mr. Crook eine Drohung aus… bald, ja bald schon, wird er mit seinem Gefolge den Kampf eröffnen… werden die Schiffbrüchigen dieser Herausforderung gewachsen sein? Ohne Waffen? Ohne fremde Hilfe? Zu welchen Mitteln wird Mr. Crook greifen?
Tag 5:
Die Schlacht
Am frühen Morgen schreckt die X-Island-Crew aus dem Schlaf auf! Wird Crook seine Drohung wahr machen und angreifen? Was hat er vor? Wie wird er auf das Falschgeld reagieren? Zwei mit Schwertern bewaffnete Gestalten nähern sich der Island-Base… Die feindlichen Truppen seien in Anmarsch, warnen sie. Die Schiffbrüchigen haben keine andere Wahl als den Unbekannten zu vertrauen. Sie wissen, sie müssen dem König, der ihnen diese Leute geschickt hat, vertrauen… Die Unbekannten trainieren die Schiffbrüchigen für den Kampf. Schlachtplan und die List des Feindes werden besprochen. Es bleibt nur wenig Zeit, bis zum Kampf. Die Mannschaft müssen sich ganz genau an die Anweisungen der Gesandten halten um in der Schlacht bestehen zu können. Sie sind bereit… Die feindlichen Truppen greifen an. Die Schlacht bricht aus. Mit grosser Anstrengung gelingt es den königlichen Schwertkämpfern zusammen mit den Schiffbrüchigen die Truppe des Crook zu vertreiben. Was für ein Erfolg! Nach der Schlacht trommelt der Anführer alle noch einmal zusammen. Er dankt für den Mut, den Einsatz und die Wachsamkeit seiner Freunde. Er gebietet ihnen auch weiterhin auf der Hut zu sein und auf den König zu hören, der es gut mit ihnen meint… Der Auftrag der Gesandten ist erfüllt. Sie verabschieden sich bei den tapferen Kämpfern und ziehen weiter in die nächste Schlacht in einem anderen Teil der Insel. Doch,… wer ist dieser König, der seine besten Schwertkämpfer sendet, um die X-Island-Crew zu beschützen?
Tag 6:
Der Besuch
Mit schleppendem Schritt nähert sich eine verhüllte Gestalt dem Lager der Schiffbrüchigen. Sich auf einen alten, knorrigen Stab stützend schleppt der alte Mann sich näher heran. Er ruft die Lagerbewohner zu sich, streift seine Kapuze vom Kopf, sein weisses Haar glänzt in der Sonne. Die Schiffbrüchigen sammeln sich gespannt um den Weisen… er beginnt zu sprechen: Der König hat mit wohlwollen euch zugeschaut. Ihr habt euch in der grossen Schlacht gegen Crook gut geschlagen… Doch es geht nicht nur um Stärke. Die Insel birgt viele Herausforderungen, denen ihr nicht mit Muskelkraft begegnen könnt. Kopf und Herz ist gefragt… Und noch eine Botschaft lässt euch der König zukommen: Er lädt euch in sein Palast ein. Er erwartet euch in zwei Tagen! Bereitet euch vor, denn der Weg ist lang und beschwerlich!
Tag 7:
Die Vorbereitung
Der Weise und sein Gehilfe David haben uns gestern einen Vorgeschmack des königlichen Danks gegeben: Die Hawaii-Cocktail-Party. Aber der König von X-Island scheint noch mehr geben zu wollen. Er lud uns auf sein Schloss ein! Was wird uns beim König erwarten? Wie begegnet man einem König? Reicht es aus, so wie wir sind dem König zu begegnen? Ein ganzer Tag steht uns zur Verfügung, um solchen Fragen auf den Grund zu gehen…
Tag 8:
Auf dem Schloss des Königs
Heute ist der Tag! Endlich dürfen wir zum Schloss des Königs gehen! Nach den gestrigen Vorbereitungen sind wir gestärkt und entschlossen, den Marsch anzutreten! Wo der König wohl wohnt? Wen werden wir noch alles antreffen? Ein spannender Tag!
Tag 9:
Relaxen…
und sie lebten in Frieden.
Martin und die Piraten
Tag 1:
Die Entdeckung von X-Island
Es ist schon etwas länger her, vielleicht dreizehn Monate, da geriet ein Schiff mitten auf dem unendlich weiten Ozean in einen fürchterlichen Sturm. An Board waren Kapitän Smith und viele junge Abenteurer, die neue Welten und fremde Länder entdecken wollten. Jetzt kämpften sie ums nackte Überleben. Doch eines Morgens, es war am 21. Juli 2008, am Ende ihrer Kräfte angelangt, strandeten sie ganz unverhofft auf einer unbekannten Insel. Nie zuvor waren Menschen ihrer Art an diesem Ort vorbeigekommen. Die Insel war geheimnisvoll und brachte den Schiffsbrüchigen die ersten grossen Abenteuer. Sie schlugen sich wacker gegen den bösen Mister Crook und sein Gefolge, und mit der Hilfe zweier Unbekannten gelang es ihnen, die feindlichen Truppen von der Insel zu vertreiben. Als Belohnung für ihren heldenhaften Mut wurden sie vom König der Insel in sein Schloss eingeladen. Sie durften alles besichtigen, seine Zimmer und Säle, seine Gärten und Pärke, und von der Schlossmauer aus blickten sie über die grasigen Hügel und dichten Wälder der Insel. Nach dem spannenden Besuch kehrten sie fröhlich in ihr Basis-Lager zurück. Endlich war die Zeit gekommen, aufatmen zu können und die atemberaubende Schönheit der Insel aufzusaugen. Und seither geniessen sie den Frieden auf X-Island…
Tag 2:
Ein unheimlicher Fund
Während die gesamte Besatzung der Schiffsbrüchigen noch im erholsamen Schlummer ruht, ist Kapitän Smith früh aufgestanden. Gemächlich schreitet er dem Ufer entlang. Der feine, weisse Sand knirscht unter seinen Stiefeln, die sanften Wellen des weiten Ozeans spülen ihn ans Ufer… Smiths Augen folgen den Möwen, die in der Morgendämmerung verschwinden. Wachsam streift sein Blick über die unerforschte Natur der Insel – ein neuer Tag, ein neues Abenteuer? „Kapitän Smith! Kapitän Smith!“, die aufgeregten Schreie zweier Kinder reissen ihn aus seinen Gedanken. Keuchend und nach Luft schnappend rennen sie auf Smith zu. In ihren Händen halten sie einen Stofffetzen … oder … nein … es ist eine Flagge! Mit jedem Schritt durchzuckt Smith die Erkenntnis. Er kennt die Flagge nur zu gut: Piraten! „Wo habt ihr die Flagge her?“, fragt Smith die Kinder mit ernster Stimme. „Wir … wir haben sie zwischen den Felsen gefunden, oben auf den Klippen…“ würgt der kleine Junge die Antwort hervor. „Ihr ward ausserhalb des Lagers?“, Smiths Blick wurde streng. Beschämt blicken die zwei Ausreisser wortlos zu Boden. „Ab in die X-Island-Base mit euch!“. Mit einem tiefen Seufzer schaut Kapitän Smith den Kindern hinterher, wie sie eiligst in Richtung Basislager davon rennen. In seine Gedanken versunken steht er einige Minuten da. Doch plötzlich schüttelt er sich, fast wie wenn er sich selbst wecken wollte, und macht sich mit entschlossenem Blick auf zum Lagerplatz.
Tag 3:
Inselleben in Gefahr
Bedrücktes Schweigen herrscht nach Smiths Erzählungen im Zelt der Anführer. Der Kapitän hatte die Gruppenführer zur Besprechung zusammengetrommelt. Langsam und bedacht meldet sich Archon, der Weise, zu Wort: „Wir sollten Kundschafter aussenden. Eine Gruppe bricht auf ins Gebiet der Klippen, weitere Gruppen sollen sich über die Insel verteilen.“ „Danke für deinen Rat, Archon.“, nickt Smith dem alten Mann zu. „Bildet Gruppen. Sendet sie aus. Lasst sie nach Spuren, nach irgendwelchen Hinweisen suchen.“, wendet sich Smith an die Anführer, „Wir müssen die Piraten aufspüren, ehe sie es tun!“ Die Befehle sind klar und sogleich leert sich das Zelt des Kapitäns. Nur Archon und Smith bleiben zur weiteren Beratung zurück.
Tag 4:
Kundschafter unterwegs
„Komm hoch!“, helfend greift Patricia nach Rollis verschwitzter Hand. Der Aufstieg zu den Klippen war schweisstreibend. „Nur noch ein kleines Stück, dann haben wir’s geschafft!“ Ächzend schleppt sich Rolli die letzten Meter zum Plateau hoch. „Du solltest etwas weniger Süsses naschen!“ grinst Patricia ihm zu. „Ach, lass mich doch! Das sind meine Notreserven und überhaupt, ich…“ abrupt knallt ihm Patricias Hand auf die Brust, so dass ihm fast die Puste weg bleibt. „Runter und Schnauze tief! Keinen Mucks!“, Rolli weiss gar nicht wie ihm geschieht, während Patricia ihn mit unter die Büsche zerrt. Grummelig folgt sein Blick Patricias ausgestrecktem Arm. „Ach du meine Sch….“, schon wieder klatscht im Patricias Hand vor den Mund. „Psssssst, man! Die hören uns noch!“ Aufmerksam verfolgen die beiden die Szene, die sich vor ihren Augen ausbreitet. Ihre Augen schweifen über das an den Klippen zersplitterte Wrack, den morschen Mast und die vom Sturm zerschlissene Piratenfahne. Ausgebleicht von der Sonne flattert sie im Wind. Trotzdem: den bedrohlichen Totenschädel erkennt man nur zu gut! Ausgelassenes Gelächter, raue Sprüche, der Rauch des Feuers im Piratenlager kitzelt den zwei Kundschaftern in der Nase. Zumindest der Einen… Dem Andern läuft das Wasser im Mund zusammen. „Komm Rolli, wir gehen. Wir haben genug gesehen.“
Tag 5:
Ruhe vor dem Sturm
Tag 6:
Piraten am Strand
„Findest du das wirklich eine gute Idee, Sebastian?“, Lindas Augen schauen ängstlich umher, „Du hast doch gehört, was Kapitän Smith gesagt hat, und du kennst die Regeln. Wir dürfen nicht alleine die X-Island-Base verlassen. Das ist zu gefährlich! Vor allem jetzt, da wir wissen, dass Piraten auf der Insel sind…“. „Das macht’s doch gerade erst spannend.“ grinst sie der kecke, rothaarige Junge an. „Sei doch kein Mädchen!“ foppt er Linda. „Hallo!? Ich bin ein Mädchen! Selber Mädchen!“ rächt sich Linda, während sie Sebastian eine Ladung Meerwasser ins Gesicht spritzt. Die einst ängstliche Blässe der beiden weicht sogleich den erhitzten Backen infolge einer übermütigen Wasserschlacht am Strand. „Hrg, hrg, hrg … uahaaaahaaa … hrg, hrg… MAAAARTIIIIIIIIIIIIIN … hrg, hrg…“, verwirrt nähert sich eine schlaksige Gestalt den zwei spielenden Kindern. Quietschend und schnaubend läuft sie unablässig den Strand hoch und runter. „MAAAAAARTIIIIIIIIIIIN!??“. „Sebastian!!“, angstvoll klammert sich die zitternde Linda an den Jungen. „Lauf!!“, schreiend rennen die Kinder, so schnell sie können, aus dem Wasser. Keuchend schleppen sie sich durch den Sand, in der Hoffnung das Lager rechtzeitig zu erreichen. RUMS!! Stöhnend rappelt sich Sebastian wieder auf: „Was… was war das?“. Benommen blinzelt er der Sonne entgegen und erkennt langsam die Umrisse einer schattigen Gestalt vor sich. „Ja sieh mal einer an…“ grunzt ihm eine Alkoholwolke entgegen. „Die Piraten!“ Sebastians Atem beschleunigt sich. „LINDA…! LASS SIE SOFORT LOS! LASS SIE LOS!!“ Wut hat den kleinen Jungen gepackt. Mit aller Kraft hämmert er auf den Mann ein, der Linda gepackt hat. „Muahaaha…“, der Pirat lacht schallend über Sebastians klägliche Rettungsversuche. Doch mit einem Schlag verstummt er. „Besser du hörst auf den Kleinen!“ zischt ihm der bestimmte Befehl Smiths ins Ort, während dieser ihm mit Nachdruck sein Schwert in den Rücken bohrt. „Okay, okay!“ japst der Pirat, während er Sebastian und Linda freilässt. Während die Kinder weinend in der X-Island-Base verschwinden, verschwindet der Pirat in einer riesigen Sandstaubwolke. Smith hatte ihn zu Boden geworfen. Sein Fuss hält den Gauner am Boden und sein Schwert kitzelt weiterhin dessen Kehle. Von den Schreien der Kinder aufgescheucht, sind auch schon weitere bewaffnete Männer aus der X-Island-Base gestürmt und stehen nun im Halbkreis um Smith und den Piraten herum. Archon bahnt sich mit seinem knorrigen Stab den Weg durch die Menge. Wachsam mustert er den Piraten. Sein Blick trifft den des Kapitäns. „Nimm ihn mit, wir wollen ihn in Ruhe verhören.“ Smith hebt seinen Fuss an, worauf sich sofort drei Männer auf den Piraten stürzen und ihn artgerecht verpacken. „MOMENT!“, schreit der Pirat, „ich kann doch Diego nicht alleine lassen! Bitte habt Erbarmen!“. „Wer ist Diego?“ fragt Smith ihn scharf. Mit dem Kinn deutet der staubige Pirat Richtung Meerufer. Noch immer läuft diese armselige Gestalt unter Grunzen und Quietschen am Strand hoch und runter, unbeeindruckt von den Ereignissen um sie herum. „Oje … ok … nehmt auch den mit!“ ordnet der Kapitän an und zieht ab. „MARTIIIIIN, NEIN, MAAARTIIIIIN!!!“, brüllt Diego immer wieder, während ihn zwei Männer ins Lager zerren…
Tag 7:
Die verschwundene Truhe
„Wir, wir tun doch nie-, niemandem etwas. Wir, wir su-, suchen nur Ma-, Martin“, stottert der Pirat weiter, während Captain Smith die beiden nach kurzer Unterhaltung mit seinen Beratern in ein Zelt führt. „Hier verbringt ihr den Rest des Tages, und versucht nicht, dieses zu verlassen. Unsere Wächter passen gut auf.“. „Aber wenn wir Martin nicht find…“. Doch Captain Smith hört nicht weiter zu. Er wendet sich ab und zieht sich ins Zelt der Anführer zurück. Aufgeregte Stimmen nähern sich dem Zelt. Captain Smith steht auf. „Was ist jetzt schon wieder los“, erkundigt er sich. „Die Schatztruhe … verschwunden … die Piraten … leer …“, alle sprechen durcheinander. „Langsam, nur einer erzählt.“, Captain Smith schaut in die Runde, „Sebastian, was ist geschehen?“. Zögernd tritt er hervor, seine Stimme zittert: „Die Piraten sind nicht mehr im Zelt, und die Schatztruhe – sie ist verschwunden.“ Betretene Stille. Captain Smith starrt auf den Boden: „Haben mir die Piraten doch hoch und heilig versprochen, das Lager nicht zu verlassen und keinen Unfug anzustellen. Und jetzt so etwas. Habe ich mich in diesen zwei Kerlen so getäuscht?“, murmelt er kaum hörbar vor sich hin. Alle warten, was er jetzt wohl tun wird… Von hinten nähert sich eine Gestalt dem Lager. Archon geht festen Schritts langsam auf Smith zu. „Das habe ich eben auf dem Weg hierher gefunden“, in den Händen hält er einen Zettel und streckt diesen Smith entgegen. Smith hält das Stück Papier in den Fingern und schaut es lange an. Plötzlich erhellt sich sein Gesicht, seine Augen beginnen zu strahen: „Kinder, das ist eine Karte. Bestimmt führt sie uns zur Schatztruhe!“
Tag 8:
Hamster Martin
„Ein entlaufener Hamster??“, ungläubig mustert Smith den etwas verlegenen Piraten und dessen Kumpanen. Dann schaut er Hilfe suchend zu Archon. „Aber, aber … ich … ja, ich … ich weiss, es klingt ziemlich unglaubwürdig, aber Martin ist Diegos entlaufener Hamster.“. Prusten und Grölen im Zelt des Kapitäns. Die versammelten Männer können sich vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten. „Huhuhu … ein Hamster … haha …“, Smith wischt sich ein Lachtränchen aus den Augen und ringt um Fassung. „Okay, ein Hamster! Und was bitteschön ist mit diesem armen Kerl passiert?“, fragt der Kapitän, nachdem er sich wieder gefasst hat. „Ach, das ist wieder so eine Geschichte … ich …“ dem Pirat steigt sichtlich die Röte ins Gesicht, sein Blick senkt sich, aber er beginnt zu erzählen. Seine Geschichte handelt von einer Gruppe von ehemaligen Piraten, einem Haufen Versagern, die entweder von den Piratenschiffen geworfen, in ihren Piratenkarrieren gescheitert oder sonst einfach hoffnungslose Träumer waren… Diego sei einfach ein Tiernarr, hätte so eine enge Bindung zu seinem früheren Hamster Berthold gehabt, dass er nach dessen Tod einfach verrückt geworden sei. Um sein Leid etwas zu mildern, hätten sie Diego in ihre Gruppe der Peace-Piraten aufgenommen und ihm eben einen neuen Hamster, den Martin besorgt. Dieser sei nun eben während Diegos Mittagsschläfchen entlaufen… „Nun gut, lassen wir mal deine Geschichte so stehen.“, meinte Smith, „Wir werden euch zurück in euer Lager bringen. Ich möchte mit eurem Anführer sprechen.“. „Wie? Ihr, ihr tut uns nichts?“, ungläubig guckt der ängstliche Pirat zu Smith und Archon. „Nein“, antwortet Smith schmunzelnd, „in dieser Hinsicht haben wir wohl eines gemeinsam: Auch wir wollen Frieden.“
Tag 9:
Der Besuch
„Herzlich willkommen!!“, ehe Smith recht wusste, wie ihm geschah, wurde er von den massigen Armen des Peace-Piraten-Anführers Giovanotto umschlungen und begrüsst. Er versank beinahe in dessen noch massigerem Bier- bzw. Rumbauch. Der venezianische Ex-Pirat war über die Jahre hinweg zu einer Art Papa für die vielen „schiffbrüchigen“ Piraten geworden. Zur Begrüssung wurden den schiffbrüchigen Entdecker Piratenhüte, Augenklappen oder ähnliche piratenhafte Utensilien gereicht. „HARHARHAR! Ja, jetzt gehört ihr zu uns!“, lachte Giovanotto aus vollstem Herzen. Selbst dem sonst sehr ernsten Archon entwich ein Schmunzeln, als er seine Freunde musterte. „Auch wir haben euch was mitgebracht!“, revanchierte sich Smith, während er den Piraten kunstvolle Bilder und Schwerter reichen liess. „Harharhar! Grosszügig von dir! Ich sehe, ihr habt ein gutes Herz! Das muss gefeiert werden! Und dann müsst ihr uns auch eure Geschichte erzählen…“
Tag 10:
Das Piratenfest
Giovanotto veranlasste, dass zum Empfang der Entdecker eine richtige rambazambamässige Piratenparty auf die Beine gestellt wurde! Selbst Sebastian, Linda und Diego waren dabei. Diego hatte in der Zwischenzeit seinen Martin wieder gefunden und war ebenfalls in Partystimmung. Die Entdecker lernten Bräuche, Kultur, Essen und Trinken der Piraten kennen, hörten spannende Piratengeschichten, erzählten ihre Geschichte vom König, vom Schwertkampf usw. und tauchten ein in diese ganz andere Lebensweise der Peace-Piraten! Welch ein Abenteuer!
Siedlerleben
Tag 1:
Einführung des Siedlerlebens auf X-Island
Die nun schon seit nahezu zwei Jahren auf X-Island gestrandeten Abenteurer haben sich nicht nur mit dem König und den Peace-Piraten der Insel befreundet, sondern sind auch fest entschlossen, selber nicht mehr wegziehen zu wollen. Es gibt genug Platz für alle und freundschaftliche Beziehungen sind gebildet. Doch nun stellt sich den ehemaligen Seefahrern eine neue Herausforderung. Ihre alten Nahrungsvorräte sind alle aufgebraucht und die Früchte der Bäume gegessen. Dazu sind die Lagerzelte von der salzigen Meeresluft schon ganz zerfressen.
Deshalb versammeln sich an einem frühen Morgen alle Siedler mit Captain Smith, um sich über ihre Zukunft zu beraten.
„Leute, hört her!“, begrüsst sie Smith. „Obwohl wir hier in einem wahren Paradies sind, sieht unser Leben nicht so rosig aus. Wir leiden Hunger und unsere Zelte sind verfault. Doch das lässt sich ändern! Lasst uns unser Land in Besitz nehmen: Wir wollen Häuser und Felder bauen! Wir sind nun nicht länger Gestrandete, wir sind Siedler. Ich bin auch nicht länger der Captain, denn hiermit erkläre ich mich zum ersten Gouverneur von X-Island!“
„Hurra!“, applaudieren die jungen Siedler voller Tatendrang.
„Als erstes brauchen wir Regeln und Rechte, damit jeder von uns die gleichen Chancen auf ein gutes Leben in dieser neuen Welt hat.“
So setzen sich alle zusammen, schreiben Regeln fest, damit die Gerechtigkeit für die beginnende Zukunft gesichert sei, und essen am Mittag gemeinsam die allerletzten Vorräte. Danach ergreift der Gouverneur Smith wieder das Wort: „Wir haben soeben das Letzte gegessen, was wir noch hatten. Wie wollen wir von nun an sicherstellen, dass wir genügend Essen haben in unserer Siedlung?“
„Ich war der Mat auf unserem Schiff, ich kann kochen für alle!“, ruft sofort einer aus der Menge.
„Das tönt gut, doch woher willst du denn die Nahrung für uns alle nehmen?“, fragt Gouverneur Smith mit strengem Ton, da er sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst ist.
„Das ist kein Problem! Ich kenne den Mat der Peace-Piraten und der kennt den Koch des Königs! Gebt mir etwas womit ich bezahlen kann und ich werde uns die Nahrung kaufen!“
„Hm, da du gerade vom Bezahlen redest, ich bin der Zahnarzt und werde von nun an auch eine Bezahlung brauchen, wenn ich euch die Zähne ziehen soll…“
„Und ich erst! Glaubt nicht ich frisiere eure Haarbüschel umsonst. Schönheit will verdient sein kann ich da nur sagen!“, schiesst der Coiffeur hervor.
Da meldet sich Gouverneur Smith wieder: „Immer mit der Ruhe! Ich bin mir sicher, wir werden eine Lösung finden, wie wir fair miteinander handeln können. Doch lasst mich das bis morgen überdenken. Ich werde den alten Archon aufsuchen und ihn um Rat fragen. Das Nachtmahl zahlen wir mit dem Gold aus unserer alten Schatztruhe, seid also unbesorgt, unser Leben hier wird ein Gutes!“
Tag 2:
Markteröffnung
Am nächsten Morgen begrüsst Gouverneur Smith die Siedler mit einem Strahlen im Gesicht, wie die aufgehende Sonne.
„Ich habe mich mit Archon beraten und wir sind auf eine Lösung gekommen! Eine Lösung, bei der jeder Siedler die gleichen Chancen und die Möglichkeit hat, mitwirken zu können. Wir werden einen Markt eröffnen! Auf unserem Land gibt es Wälder, Stollen und Schafe. Daraus können wir Holz, Bausteine und Wolle gewinnen. Da diese Sachen notwendig sind, um Häuser und Kleider zu machen, sind sie wertvoll! Zusammen mit dem Gold aus unserem Schatz sind diese vier Rohstoffe unsere Zahlungsmittel.
Wer arbeitet erhält diese für sich als Lohn.
Wer Schmuck, Kleider oder andere schöne Sachen herstellt, kann diese gegen Rohstoffe verkaufen.
Umgekehrt kann jemand mit seinem Holz, Stein, Wolle oder Gold das kaufen, was er noch braucht.
Wer also gut mitarbeitet, wird viel verdienen und viel haben können. In zehn Tagen werden wir einen Wettbewerb veranstalten und die drei mit der besten Kleidung in den Adel erheben, als Zeichen, dass sie am besten gearbeitet haben!
Schatzmeister, du bist hiermit zum Bankier ernannt. Bei dir können Rohstoffe über Nacht gelagert oder gegen Gold eingetauscht werden.“
Tag 3:
Sonderaktion des Coiffeurs
Der Coiffeur läuft mit einem nachdenklichen und skeptischen Gesicht durch die Menge der Leute, die sich im Lager den neuen Aufgaben widmen. Man sieht ihm deutlich an, dass er von einer Unzufriedenheit geplagt ist. Als er Gouverneur Smith über den Weg läuft, schlägt er sich die Hände auf den Kopf und blickt den Gouverneur so entsetzt an, dass sich dieser mit einem Schlag in voller Alarmbereitschaft umblickt. Als er jedoch nichts Aussergewöhnliches entdecken kann, fragt er mit einem etwas vorwurfsvollem Ton: „Coiffeur, was ist los, wieso blickst du so entgeistert und hast deine Hände auf den Kopf geschlagen? Stimmt etwas nicht?“ Da reisst der Coiffeur seinen Blick von ihm weg und richtet seinen Kopf tief nach unten. „Oooohh…“, ist das einzige, was von ihm zu hören ist. „Coiffeur! Was soll das? Gib mir eine Antwort!“ Gouverneur Smith ist erbost über das Aufführen des Coiffeurs, bis dieser endlich mit seinem Stöhnen nachlässt und sagt: „Uoooh… Ich kann mir das nicht länger ansehen, ich ertrage das nicht mehr…! UUUiuiuiuiooooh… ES PASST NICHT! SO kann es nicht weitergehen…! Oh-oh-oh-oh-oohh….“ Als der Gouverneur seine Verzweiflung bemerkt, legt er ihm die Hand auf die Schulter und mildert seinen Ton ein wenig. „Aber, aber. Was passt denn nicht? Wenn ich mich umblicke, sehe ich nur unsere Häuser und Felder herankommen und das Blühen unseres neuen Marktes! Alles ist gut und ich wüsste nicht, was daran unpassend sein soll.“
Der Coiffeur hat sich etwas beruhigt und mit einem leeren Gesichtsausdruck und einem Blick ins Nichts sagt er langsam: „Wir sind es… Wir passen nicht. Wir sehen nicht aus wie Siedler… unsere Haare – uuooh-oouäheul...!“ Gouverneur Smith ist verdutzt, als der Coiffeur in bitterliches Weinen ausbricht. Da greift Gouverneur Smith auch noch die andere Schulter und schüttelt den Coiffeur kräftig, so dass seine Tränen aufhören. „Coiffeur. Was soll mit unseren Haaren sein? Die sind genau wie immer und bisher war das doch immer gut.“
„Das ist es ja gerade! Genau wie immer! Wir sehen aus wie Schiffsbrüchige, das PASST einfach nicht zu einer Siedlung! Uhuhuääääh…“
„Hm, so ist das.“ Nachdenklich reibt Gouverneur Smith sich das Kinn, die Nase, die Stirn und dann den ganzen Kopf, bis er einen Finger in die Luft streckt und mit kräftigem Ton verkündet: „Ich habe eine Idee, wie wir das Leid des Coiffeurs lindern können! Teilen wir uns auf in Gruppen, um jeweils einem daraus eine richtige, siedlerwürdige Frisur zu machen!“
Als der Coiffeur das hört, schaut er mit einem strahlendem Gesicht in die Höhe und ruft: „Ohja! Ich werde mir das ansehen! Und die Gruppe, die den ausserordentlichsten Siedler herbeifrisieren kann, gewinnt von mir einen Rohstoffpreis!“
Tag 4:
Der Händler braucht Hilfe
Auf dem Markt ist mit einem Mal etwas zu hören, das nicht wie das normale Geschrei der Händler tönt. Aus der Menge rennt ein fremder Mann in die Mitte des Platzes, er ist ganz ausser Atem und die Verzweiflung steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Zu Hilfe! Wieso hilft mir keiner! Ich brauche Hilfe! Hilfe!!“
„Immer mit der Ruhe, guter Mann!“, durchbricht Gouverneur Smith den Lärm mit starker Stimme. „Was ist passiert? Wobei brauchen Sie Hilfe?“
„Ja, Hilfe! Hilfe brauche ich! Hilfe!“
„Ich bin sicher, dass wir Ihnen werden helfen können, doch nun sagen Sie uns doch endlich, was passiert ist.“ Die Gelassenheit des Gouverneur Smith beruhigt das aufgebrachte Gemüt des Mannes allmählich und er erzählt, was vorgefallen ist.
„I-Ich habe ein Pferd gemietet – ein Pferd! Für meinen Handelwarenwagen, mit dem ich hi-hier her kommen wollte. Hier her kommen wollte ich – das Pferd aber nicht – das Pferd nicht! E-Es ist vom Weg – einfach vom Weg abgewichen! Und dann ist der – es ist der Wagen stecken geblieben! Umgefallen! Hinunter gefallen! Das Pferd weg! Der Wagen – mein Wagen! Und ich musste weg von ihm – oh, weiss Gott, was ihm noch passiert! Ich brauche Hilfe – Hilfe!“
„Nun, wenn Sie nicht zu Ihrem Wagen kommen, dann kommt so schnell auch kein anderer dazu. Bevor wir uns also um Ihren Wagen kümmern, können Sie doch erzählen, wer Sie eigentlich sind und warum Sie hier her kommen wollten.“
Kaum hat der Gouverneur seinen Satz beendet, streckt der Mann sein Kinn hoch und sein Gesichtsausdruck verwandelt sich schlagartig von Verzweiflung zu totaler Selbstsicherheit. Mit gehobenem Ton beginnt er dann: „Nun ich – ich bin ein Händler – DER Händler. Ich – ICH habe die Ware, nach der euer Verlangen brennt. Ich habe alles – alles! Und alles nur vom Feinsten! Nur das Beste! Vom fernen Nahen Osten bis zu den unerforschten Eiswüsten Alaskas bringe ich die Meisterwerke zu euch, nach denen sich euer Herz sehnt – euer Herz! Das Geheimnis des Handels und des Wandels ist keines für mich! Kleider machen Leute – edle Leute! Die Macht der Erscheinung – bei mir – bei mir könnt ihr sie haben! Helft mir meinen Wagen frei zu bekommen – und dem Handel hier wird keine Grenze mehr sein!“
„Wir sind Siedler und deshalb sehr am Handel interessiert. So sei bei uns willkommen. Wir wollen dir helfen, Händler.“
So brechen Gouverneur Smith und die Siedler zusammen mit dem Händler auf, um den Warenwagen zu suchen. Die Befreiung des Wagen erweist sich jedoch als eine viel grössere Herausforderung als erwartet – doch mit vereinten Kräften und vollem Einsatz gelingt es den Siedlern, den Wagen in die Siedlung zu schaffen.
Dort angekommen, präsentiert der Händler seine Ware. Er hat Kleider aller Art und ist für den Markt in der Siedlung eine grosse Bereicherung.
Tag 5:
Ein Grund zum Feiern!
Als Gouverneur Smith am Morgen auf den Marktplatz tritt und sieht, wie die Sonne über den frisch gebauten Häusern aufgeht, die Siedler gestärkt und tatkräftig sich für den Tag vorbereiten, da ruft er aus: „Meine Siedler! Wenn ich gedenke, wie wir vor ein paar Tagen noch hungerten und in Fetzen hausten und heute eine blühende Siedlung mit starken Leuten sehe, so füllt sich mein Herz mit Freude! Wir haben uns das Fundament für eine gute Zukunft gelegt, das lasst uns feiern! Ein Jahrmarkt soll es geben!“
Die Siedler sind sofort hell begeistert: „Oh ja, lasst uns das Gemeinschaftszelt schmücken!“
„Ich werde den Clown spielen!“
„Und ich meine Zauberkünste vorführen!“
„Wir brauchen auch einen Torten-Wurf-Stand!
„Einen Seilziehwettbewerb! Und der Gewinner bekommt einen Rohstoffpreis!“
„Ja, das ist eine gute Idee!“
Voller Tatendrang und sprudelnden Ideen machen sich die Siedler daran, alle Vorbereitungen zu treffen.
Am Nachmittag eröffnet der Bankmeister den Jahrmarkt mit der feierlichen Rede: „Ein Tag zum Feiern und Festen, dieses sei zu unsrem Besten!“, worauf die Vergnügungen ihren Lauf zu nehmen beginnen. Begleitet vom Stolz auf die gemeinsame Arbeit machen die spassigen Aktivitäten den Tag zu einem wahren Fest.
Tag 6:
Das Meisterwerk
Lange bevor die die Sonne empor stieg, als die Insel noch im Nebel lag, trafen sich die fleissigsten der Handwerker, um ihrer Tätigkeit nachzugehen. Doch an diesem frühen Morgen lag etwas Geheimnisvolles in der Luft. Die Schneidermeisterin hatte schon seit einigen Tagen eine Idee ausgebrütet, die sie nun allen versammelten Handwerkern bekannt gab. Sofort war jeder von der Idee begeistert. Unter der Führung der Meisterin vereinigten sie sich in ihrer Herstellungskunst und arbeiteten gemeinsam an einem Kleidungsstück. So entstand ein Meisterwerk: ein Umhang, wie ihn die Welt noch nie zuvor gesehen hatte.
Als der Zahnarzt am Nachmittag direkt nach der Öffnung des Marktes sich die Angebote begutachtet, stösst er auf ein besonders originelles Accessoire. Sofort nimmt er die Verhandlung auf und nennt sein Angebot. „Ich gebe Dir zwei Holz und drei Wolle dafür, ein sehr gutes Angebot, bist Du einverstanden?“ – „Nein!“, tönt es von der Seite her. Der Zahnarzt blickt verwundert über seine Schulter, um den Einmischer erkennen zu können, während der weiter redet. „Nimm dieses Angebot nicht an, denn ich gebe dir dasselbe und dazu noch einen Stein!“ Als der Zahnarzt feststellt, dass es der Coiffeur ist, der so ungerissen in seinen Handel eindringt, fährt er ihn wütend an: „Was fällt Dir ein, bitte!? Du hast genau gehört, dass ich hier gerade am Kaufen bin!“ „Na und, vielleicht ist mein Angebot ja attraktiver als Deines, schliesslich darf man verkaufen, wem man will! Jeder hat hier die gleichen Rechte!“ „Schon einmal etwas von Anstand gehört, Du ungehobelter Wuschelkopf!“ „Wie kannst Du es wagen meine Frisur zu beleidigen?!“ Schon stehen die beiden gegeneinander, die Köpfe zusammengepresst und schauen sich böse an. Es braucht nicht mehr viel bis zur Eskalation! Doch plötzlich hallt die laute Stimme von Gouverneur Smith über den Platz: „Was ist hier los!“ Sofort lassen die beiden von einander ab und der Gouverneur tritt ihnen mit den Händen in die Hüfte gestützt entgegen. Der Zahnarzt beginnt heftig zu schildern: „Ich war am Kaufen und habe gerade mein Gebot erklärt, als dieser Kerl da einfach mitten in unseren Handel fuhr und meinte, er könne mich durch seine Unverfrorenheit verdrängen! Eine Unverschämtheit ist das!“ Kaum war der Zahnarzt fertig, schoss der Coiffeur schon heraus: „Ach was! Wir sind alle gleichberechtigt hier! Bloss weil Du eine halbe Sekunde eher warst als ich, hast Du noch lange kein Alleinhandelsrecht!“
„Ruhe ihr beiden. Ich habe bereits eine Lösung für euer Problem. Trotzdem will ich, dass ihr in Zukunft immer respektvoll und friedlich mit einander umgeht. Für alles lässt sich eine Lösung finden, wenn man nur die Geduld hat dazu. Ausserdem haben wir gemeinsam bei der Entstehung unserer Siedlung Regeln erstellt, die ihr nun schon beinahe gebrochen habt.“ Der Gouverneur wendet sich nun allen Siedlern zu und sagt: „Doch für heute werden wir den Handel beenden. Statt des normalen Handels machen wir heute eine Versteigerung! Unsere Handwerker haben diesen Morgen ein gewaltiges Kleidungsstück hergestellt und damit jeder die gleichen Chancen hat, dieses zu besitzen, soll es am Ende dem Meistbietenden übergeben werden. Vorher kann aber jeder, der etwas anzubieten hat, an der Versteigerung teilnehmen.“
Tag 7:
Die Schandtat
Gouverneur Smith tritt vor die Siedlungsversammlung mit sehr ernster Miene. „Siedler von X-Island, es gibt eine Sache, die nicht länger ausser Acht gelassen werden kann. Schon seit einigen Tagen wird mir berichtet, dass Diebstahl begangen wird. Bisher handelte es sich jedoch nur um Kleinigkeiten, doch nun nahm die Sache ein Ausmass an, das der öffentlichen Kundgebung bedarf. Denn es ist etwas Schlimmes geschehen: Das wertvollste Stück der gestrigen Versteigerung, das einzigartigste Meisterwerk, wurde gestohlen! Und der Dieb muss jemand aus unserer Siedlung sein, denn niemand anderes kann in der Nacht hier hinein. Wir werden deshalb ein Ausscheidungsverfahren anwenden, um den Täter zu ermitteln. Jeder Siedler wird dazu heute verhört.“
In der Menge beginnt ein erregtes Getuschel. […] Jeder blickt zum Nächsten und versichert, dass er ganz gewiss nicht der Dieb sei. Gleichzeitig ist auch die Enttäuschung in den Augen der Siedler zu erkennen, dass jemand zu so einer Schandtat fähig war.
Im Verlauf des Tages werden ein Siedler nach dem anderen in einem zweier Gespräch verhört, während sich in der Siedlung eine Atmosphäre des Misstrauens ausbreitet...
Tag 8:
Gerechtigkeit soll walten
Am nächsten Morgen ist alles anders. Von Gouverneur Smith ist nichts zu sehen und nichts zu hören. Unter den versammelten Siedler herrscht eine unangenehme Stimmung, Spannung liegt in der Luft und zieht sich durch den ganzen Vormittag hindurch. Es scheint, als könne man niemandem vertrauen. Jeder könnte sich als der ruchlose Dieb entpuppen. Auch der Handel auf dem Marktplatz ist belastet vom Misstrauen und es herrscht eine unangenehme Vorsicht. Jede ungewöhnliche Bewegung wird beobachtet...
Nach dem Mittagessen werden alle Siedler zu einer Versammlung gerufen und endlich, nach langem Warten, tritt Gouverneur Smith mit unerbittlicher Miene vor und beginnt zu sprechen.
„Nie wieder darf so etwas geschehen. Es ist ein tiefer Verrat in unsere gemeinsame Arbeit und der Ausdruck von Respektlosigkeit gegenüber jedem einzelnen von uns.“ Mit langsamem, eisernem Schritt geht er um die Menge herum, während er fortfährt. „Doch lasst uns das eine Lehre sein. Wer die Regeln – und vor allem das Vertrauen – unserer Gemeinschaft bricht, kommt nicht ungestraft davon! Der Täter ist uns nicht verborgen geblieben! Zur Strafe wird er den Rest dieses Tages am Pranger schmoren!“ Gouverneur Smith bleibt stehen. Sein Blick richtet er mit einem kurzen Anflug von Bitterkeit in die Menge, dann aber mit gerechter Härte erfüllt auf den Täter, der beinahe vor ihm steht und alle Farbe in seinem Gesicht verliert. „Er ist es! Nehmt ihn fest!“, ruft der Gouverneur Smith mit markdurchdringendem Ton. Der Dieb wird auf der Stelle verhaftet und einige Siedler durchsuchen darauf die Wohnstätte des Täters nach dem Umhang. Als plötzlich ihre freudigen Rufe vernehmbar sind, atmen die Siedler mit Erleichterung auf.
Die ganze Siedlergemeinschaft bildet nun unter der Leitung vom Gouverneur Smith ein Gericht, um eine Strafe für den Übeltäter zu finden. Nach dem Verfahren wird der Dieb an den Pranger gestellt und der Menge ausgeliefert.
Am Abend sperrt man den Schuldigen in eine Zelle im Haus des Coiffeurs. Der Gerechtigkeit ist Genüge getan und im Siedlerleben wieder Ruhe eingekehrt.
Tag 9:
Die Katastrophe
Ganz aufgebracht kommt nach dem Mittag der Coiffeur angerannt und schreit: „Der Dieb! Er ist nicht mehr in der Zelle! Er ist ausgebrochen!“ Mit einem Schlag ist die Ruhe des Mittags verschwunden, voller Schrecken beginnt ein wirres Gemurmel und mit furchterfülltem Gesicht blickt jeder umher. Mitten im Tumult hört man vom Marktplatz her plötzlich andere Rufe: „Weeeeeg! Alles iiiiist weeeeeeg! WEEEEEG!!“ Der Bankmeister läuft wie im Schock auf dem Marktplatz umher. Sofort steht Gouverneur Smith bei ihm, um ihn zu beruhigen. Doch ohne sich zu fassen, bricht es aus dem Bankmeister hervor: „Weeg sind sie! Die gesamten Bankersparnisse!! Und die gesamten Konten! Alles ist weeeg!!“ Als die Siedler das hören, bricht die blanke Verzweiflung aus: „Was sollen wir nur tun! Was machen wir denn nun! Wir können kein Essen mehr kaufen! Wir werden alle sterben!“ Alle schreien durcheinander, da erscheint auch noch der Händler in voller Hysterie. Mit den Händen in der Luft, wild fuchtelnd, rennt er direkt auf den Gouverneur zu. Kaum stehen geblieben schiesst er auch schon los: „Ich habe ihn gesehen! Ich habe den Dieb gesehen – den Dieb!“
„Wo? Wann?!“, richtet Gouverneur Smith seine volle Aufmerksamkeit auf ihn.
„Ich – Ich war auf dem Weg hierher, da kam er mir entgegen gerannt – entgegen! Und aus seinen riesigen Taschen fielen von diesen Stücken hier, seht!“
„Hat er gemerkt, dass er diese verliert?“, fragt Gouverneur Smith mit feurigen Augen.
„Nein, ich denke nicht.“
Die inzwischen auf den Händler aufmerksam gewordenen Siedler verstummen und blicken auf den Gouverneur.
„Schnell! Lasst uns keine Sekunde verstreichen! Wir verfolgen ihn!“
Ohne zu zögern brechen die Siedler auf und nehmen die Spur des Diebes auf, um seine Beute wieder zurück zu holen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd mitten durch die Wildnis der unbekannten Insel!
Doch endlich, nach einem harten Kampf über allerlei Hindernisse und Täuschungen, gelingt es den tapferen Siedler den Dieb mit seiner schweren Beute einzuholen und dann – ihn zu stellen.
Erleichtert werden die gestohlenen Ersparnisse zurück in die Bank gebracht und die Siedler verbannen den Übeltäter aus ihrer Siedlung und senden ihn in den Kerker unter dem Königsschloss.
Am Abend sitzen die Siedler erschöpft von den Aufregungen des Tages beim Nachtmahl. Da steht der Gouverneur Smith auf und bittet um Aufmerksamkeit.
„Meine treuen Freunde! Heute wurden wir Zeugen einer schlimmen Tat. Unsere Gemeinschaft und gemeinsame Arbeit wurden beinahe durch den skrupellosen Egoismus eines einzigen zerstört! Doch zusammen haben wir diese Krise überstanden! Heute Nacht können wir ruhig schlafen und morgen feiern wir das grosse Fest zu Ehren unserer Zusammenarbeit! Auf die Siedler!“
„Hurra!“
Tag 10:
Tag des Adels
„Wir feiern ein Fest!“
Ritterlich auf X-Island
Tag 1:
(Einführung)
Es ist schon sehr viel Zeit vergangen, seit die Abenteurer auf der X-Island gestrandet sind. Aus ihrer Base hat sich ein Dorf entwickelt, dass sich sehen lassen kann. Auch die Siedlerzeit haben sie hinter sich gelassen. Durch den regen Handel konnten sie sich Reichtum erwirtschaften und damit ihre Häuser bauen. Smith ist inzwischen in den Adelsstand erhoben worden und mit ihm drei starke Männer (Frauen), die sich in des Königs Augen als würdig erwiesen haben. Captain Crook ist seit der Strandung auf der Insel nicht mehr aufgetaucht und mit den Peacepiraten herrscht immer noch Frieden.
Im Dorf herrscht ein reges Treiben. Alle wollen bereit sein und auf sich aufmerksam machen können, wenn der König wieder einmal durch das Dorf reiten sollte. Wer weiss, vielleicht wird man dann ja entdeckt und vielleicht sogar zum Ritter geschlagen. Leider reitet der König in letzter Zeit eher weniger durch die Gegend. Er ist sehr damit beschäftigt, seine aufmüpfige Tochter Mathilde zu beschützen und zu schauen, dass sie nicht ausbüxt. Eigentlich ist sie eine ganz liebe, hübsche, aber seit einiger Zeit ist alles schöner und besser, was ausserhalb des Königshofs ist. Dies gibt König Gustav dem III doch schwer zu denken, er hat auch schon viele Nannys angestellt, die sich um Mathilde kümmern, doch diese findet immer wieder einen Weg, aus dem Schloss zu schlüpfen. Das letzte Mal hat sie sich mit Bettlaken aus dem Fenster abgeseilt. Seither ist der König sehr besorgt und er wagt sich auch nicht mehr, das Schloss zu verlassen, da er Angst hat, die Prinzessin würde dies ausnützen. Deshalb sucht er verbissen nach einer Lösung, sein geliebtes Prinzesschen etwas in Zaum zu halten. Vielleicht ist der neuerfundene Prinzessinnenhort genau das richtige dafür.
Aber egal, für die Ex-Siedler ist die Abwesenheit des Königs ein noch grösserer Ansporn zu trainieren. Alle sind glücklich, alle? Nein ein einziger grämt sich und schmiedet grässliche Pläne. Es ist der Knappe von Sir Smit,h dem Ex-Gouverneur von X-Island. Durch seine Arbeit hat er keine Zeit zu trainieren und dies, obwohl er fest davon überzeugt ist, der Beste zu sein, wenn er nur die Zeit dazu hätte. Doch Smith hält ihn mit seinen Wünschen und Aufträgen so beschäftigt, dass er mit dem Hahn aufsteht und am Abend todmüde ins Bett fällt. Eigentlich ist er für seine Situation ja selber verantwortlich, denn er war derjenige, der allen Streichen spielte, bis Smith beschloss, ihn an die kurze Leine zu nehmen. Doch Baldrian ist nicht einsichtig und fühlt sich ungerecht behandelt. Am meisten regt er sich darüber auf, dass niemand seine vertrackte Situation versteht und Mitleid mit ihm hat. Daran muss sich etwas ändern und zwar schnell.
Tag 2:
Ankündigung des Königs
An einem schönen Tag, früh am Morgen, als gerade die Sonne aufgegangen ist und nachdem der Hahn das erste Mal gekräht hat, ist plötzlich lautes Pferdegetrampel im Dorf zu hören. Laut hören sie eine Stimme rufen, „bitte kommt alle her und versammelt euch auf dem Dorfplatz, es gibt gute Neuigkeiten!“ Diejenigen, die schon wach sind, kleiden sich in Windeseile an und versammeln sich auf dem Dorfplatz. Ein Eilbote verkündet allen, die es hören wollen: „Liebe Dorfbewohner, macht euch bereit es ist wieder soweit, der König will sich morgen auf einen Ausritt begeben und im Dorf vorbeikommen. Seine Tochter lässt er solange im Prinzessinnenhort hüten. Eigentlich ist er darüber nicht wirklich glücklich, aber die Nannys meinten, es sei der einzige Ort, von dem die Prinzessin sich nicht aus dem Staub machen könne. Also schaut, dass ihr fit, ausgeschlafen und in Form seid. Falls der König fähige Leute sehen würde, wäre er sicher bereit, diese in den Ritterstand zu erheben.“
Sofort bricht im Dorf Hektik aus, alle rufen aufgeregt durcheinander. Der mutige George ruft seinem besten Freund Siegfried zu: „Hallo Sigi, endlich ist der Moment da, komm wir gehen sofort auf den Schwertkampfplatz, wir müssen unbedingt üben.“ „Du hast Recht“, sagt Sigi „schad,e dass morgen die Prinzessin nicht dabei sein wird, ich habe sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, sie soll ja eine richtige Schönheit geworden sein.“ George entgegnet: „Ja schon, aber egal ich habe gehört, dass sie recht aufmüpfig sei, ein richtiger Snob halt, solange der König kommt und mich als Ritter entdeckt, bin ich vollends zufrieden.“ „Also auf was wartest du noch? Lass uns die Schwerter schwingen“, ruft Siegfried und macht ein paar Dehnübungen, bevor er sich in Pose wirft.
Auch Baldrian ist aufgeregt, natürlich möchte auch er trainieren, schliesslich hatte er bis jetzt nicht die Zeit dafür. Schnell macht er sich auf den Weg in Richtung Übungsplatz. Er ist beinahe am Platz angelangt, als er plötzlich eine Stimme hinter sich hört, es ist Sir Smith. „Hey Baldrian, was machst du, willst du dich von deiner Arbeit drücken? Nichts d,a ich brauche Pilze für das Abendessen und nachher muss noch mein Pferd gefüttert und massiert werden. Denk daran, der sensible Pegasus verträgt nur das beste Heu, also gib dir etwas Mühe.“ Baldrian ist total frustriert und murmelt: „Ok, wenn es sein muss.“ Leise fügt er noch hinzu, „ihr werdet mich noch kennenlernen, ihr alle“, und geht davon. Im Wald hat er genügend Zeit, seinen Gedanken nachzuhängen und schmiedet schwarze Pläne, tiefschwarze, um konkret zu sein.
Tag 3:
Entführung, eine Falle
Baldrain ist erst am nächsten Morgen zurückgekommen. Sir Smith erwartet ihn schon ungeduldig: „He, was hast du dir dabei gedacht, solange fortzubleiben? Die Suppe war ohne die Pilze so richtig fade und mein lieber Pegasus ist beinahe verhungert, das bedeutet extra Arbeit für einen Monat!“ Baldrain murmelt: „Ich habe mich bei der Pilzsuche verlaufen und als ich welche gefunden habe, war es schon stockdunkel, sodass ich mich im Wald hingelegt habe.“ „Bist du sicher, dass es keinen anderen Grund für dein langes Wegbleiben gibt?“, fragt Smith etwas skeptisch. Baldrain wird etwas rot und sagt mit noch krächzenderer Stimme als vorher: „Ich bin ganz sicher, ich habe mich einfach etwas erkältet, dass ist alles. Bitte gib mir heute frei, damit ich mich ausruhen kann, ich werde morgen auch wieder schön für dich arbeiten, dass verspreche ich dir.“ Smith willigt zögernd ein: „Nun gut, ich will dir glauben, aber denk ja nicht, du könntest ein weiteres Mal einfach so lange wegbleiben.“ Baldrian nickt eifrig und geht davon. Smith schüttelt nachdenklich den Kopf.
Was Baldrian nicht weiss, ist, dass Smith gestern in seiner Hütte war, um nachzusehen, ob Baldrian schon in seinem Bett liegt. Als er sah, dass die Hütte leer war, sah er sich etwas um und machte dabei eine interessante Entdeckung. Da Baldrian aber nicht von seiner Geschichte abgewichen ist, will er sich zuerst mit Archon dem Weisen beraten, bevor er Baldrian mit seiner Entdeckung konfrontiert. Mit schnellen Schritten geht Smith zu Archon. „Archon bist du da?“, ruft er in die dunkle Hütte hinein. „Ja, warte ich komme gleich nach draussen.“ Wenig später steht Archon der Weise vor ihm. „Sag, was liegt dir auf dem Herzen?“ Erst dann merkte Smith, dass sein Mund die ganze Zeit offen gestanden hat und macht ihn schleunigst zu. „Ja, du hast Recht, entschuldige die Störung. Ich habe gestern einen interessanten Fund gemacht, als ich in die Hütte von Baldrian reingeschaut habe.“ Er streckt ihm drei kleine Werkzeuge aus Holz entgegen. „Hast du eine Ahnun,g für was diese gut sind?“ Archon schaut sich die Gegenstände gut an und schüttelt dann bedächtig seinen Kopf. „Ich weiss“, sagt Smith, „damit kann man Siegel fälschen. Daneben habe ich einen Abdruck gefunden, der dem Siegel des Königs zum Verwechseln ähnlich gesehen hat. Was das wohl zu bedeuten hat. Ich habe keine Ahnung, weshalb Baldrian solche Werkzeuge bei sich haben sollte.“ Seine Überlegungen werden jäh unterbrochen, als George, der an diesem Morgen Postdienst hat, auf Smith zugestürmt kommt. „Smith, Smith, sieh nur ein Brief mit dem königlichen Siegel, er ist ans ganze Dorf adressiert, los schnell, lass uns ins Rathaus zurückgehen, damit ich dir den Brief vorlesen kann.“ Smith willigt ein und, als sie im Rathaus sind, beginnt George zu lesen:
„Meine treuen Dorfbewohner, dies ist ein dringender Aufruf um eure Hilfe. Meine geliebte Prinzessin ist von einem Drachen entführt worden, gestern Abend hat er sie geschnappt, als sie draussen ihren Spaziergang machte, und ist mit ihr in den Wald geflogen. Nun hält er sie bei der grossen Höhle fest. Ich flehe euch an, meine Tochter zu befreien. Diejenigen, die den Drachen besiegen und meinen Augapfel retten, werde ich in den Adelsstand erheben.“ Gezeichnet, euer König Gustav der III. Sir Smith springt von seinem Stuhl hoch und ruft: „Auf was wartet ihr noch, sattelt sofort eure Pferde, ruft alle fähigen Leute aus dem Dorf zusammen, wir reiten los, sobald alle bereit sind. Baldrian, du bleibst im Dorf und bewachst die Frauen, wenn der König vorbei reitet, sag ihm, wir sind dabe,i seine Tochter zu retten.“ Es herrscht ein hektisches Treiben, da alle dabei sind, ihre Sachen zusammen zu suchen. Nur Archon der Weise ist etwas skeptisch, er nimmt Smith zur Seite und sagt ihm: „Smith, wir haben bislang noch nichts von einem Drachen in dieser Gegend gehört, denkst du nicht, es könnte sich um einen Irrtum handeln?“ Empört antwortet Smith: „Es handelt sich um das Siegel vom König, und wenn seine Tochter entführt wurde, ist es unsere Pflicht, als seine ihm treu ergebenen Untertanen, sie zu befreien.“
Tag 4:
Drachenjagd
Sir Smith ist mit den mutigen Dorfbewohner aufgebrochen, um den Drachen zu jagen. Währenddessen lässt Baldrian es sich im Dorf gut gehen. Er isst lange Frühstück, liest die Zeitung und dann beginnt er mit dem Training. Der Schwertkampfplatz ist frei, die Bogen liegen nur so herum und auch Steinstossen kann er alleine üben. Er trainiert solange, bis er beinahe nicht mehr stehen kann. Mitte Nachmittag macht er sich schick, da ja der König das Dorf besuchen sollte. Er zieht seine beste Hose und sein schönstes Hemd an und wartet und wartet. Doch nichts passiert, nur der Bauer Lorenz spaziert mit seiner Kuh vorbei, aber vom König keine Spur.
Währenddessen machen sich Smith und seine Leute auf die Suche nach der Drachenhöhle. Nach dem sie durchs Dickicht gekrochen und auf Bäume geklettert sind, sind ihre Hemde richtig zerfetzt und ihre Gesichter verschrammt. Dennoch geben sie nicht auf, echte Rittermanier eben. Plötzlich entdeckt Siegfried eine Höhle, vor der so etwas wie Drachenspuren zu sehen sind. Aufgeregt ruft er: „Kommt alle her, ich habe die Höhle des Ungeheuers gefunden.“ Alle kommen herbei und versammeln sich um Siegfried. Doch der heldenhafte Mut von vorhin, hat sich in zähneklappernde Angst verwandelt. Auch Siegfried ziert sich und will nicht der erste Schritt Richtung Höhle wagen. Nur Sir Smith kann seine Angst überwinden und nähert sich auf Zehenspitzen der Höhle. Da schiessen ihm beklemmende Gedanken durch den Kopf: „Was ist, wenn der Drache schläft und ich ihn wecke, was, wenn er Hunger hat.“ Trotz dem beklemmenden Gefühl in seinem Magen setzt er Schritt vor Schritt bis er am Höhleneingang ankommt. Er blickt hinein und sieht, dass die Höhle gar nicht so gross ist, wie sie von Weitem aussieht. Von einem Drachen ist weit und breit auch nichts zu sehen. Doch da sieht er, dass vor der Höhle tatsächlich echsenartige Spuren zu sehen sind. Plötzlich sagt er verdutzt: „Neben den Drachenspuren sind noch Spuren von menschlichen Füssen zu sehen. Das gibt’s ja nicht, hier ist eine Grube, in die wir fast hineingefallen wären, wenn wir näher zur Höhle gegangen wären.
Los George, komm her und vergewissere dich, hier ist etwas faul.“ Auch George sieht sich die Grube genau an. Plötzlich ruft er: „Ich habe etwas gefunden“, triumphierend hält er ein Nastuch mit den Initialen der Prinzessin hoch. Smith schaut sich dieses genau an: „Irgendwie ist das komisch, weshalb ist ihr Nastuch hier, aber die Prinzessin nicht? Und wieso gibt es keine Spuren von einem Kampf, geschweige denn von einem Drachen? Diese Spuren vor der Höhle sehen sehr künstlich und verdächtig aus. Sowieso, wo kommen diese Menschenspuren her? Los, es wird dunkel. Wir müssen die Suchaktion abbrechen, sonst müssen wir alle im Wald übernachten. Aber lasst den Kopf nicht hängen, morgen wird sich die Sache sicher klären.
Tag 5:
Einladung ans Turnier
Am nächsten Morgen stehen Smith und seine Männer wieder sehr früh auf. Schliesslich wollen sie heute die Prinzessin wirklich finden und den Drachen zur Strecke bringen. Bevor sie aufbrechen, reitet ganz erschöpft ein Diener des Königs ins Dorf. Es ist Timobald, der allen schon sehr gut bekannt ist, da er immer ins Dorf kommt, wenn der König einen seiner Ausritte abgesagt hat.
Smith schaut ihn verdutzt an und plötzlich macht es klick. Er sagt: „Stimmt, dass haben wir vor lauter Drachenjagd und Prinzessinnensuche total vergessen. Gestern ist der König durchs Dorf geritten und der einzige der wiriklich da war und hätte entdeckt werden können, war Baldrian.“ „Aber nein, du irrst dich“, sagt Timobald, „der König ist gestern gar nicht durchs Dorf geritten. Seine Tochter hatte einen Wutanfall, als sie hörte, dass sie in den Prinzessinnenhort sollte.“ „Von wem sprichst du? Die Prinzessin wurde doch vorgestern Abend von einem Drachen entführt und war gestern gar nicht im Schloss, oder?“ „Smith, langsam mache ich mir Sorgen, was faselst du da von einem Drachen und der Prinzessin? Sie war gestern wirklich im Schloss, ich habe sie ja selbst gesehen.“ „Aber der Brief? Wir haben doch einen Brief erhalten!“ Nun ist Smith mit seinem Latein am Ende. „Los George hol mir den Brief.“ „Hier, das ist der Brief, mit dem königlichen Siegel, wie du siehst.“ „Lass sehen, aber halt mal, das Siegel ist ja spiegelverkehrt. Hier hat euch wohl jemand einen Streich gespielt, mit dem Schloss hat dieser Brief auf alle Fälle nichts zu tun.“ „Erschrocken sieht Smith ihn an, „du meinst wir sind gestern ganz umsonst durch den Wald gekrochen und hätten getrost im Dorf bleiben können? Das geht mir aber zu weit. Ich kenne nur einen, der etwas davon hätte, alleine im Dorf zu bleiben. Baldrian! Der kann nun etwas erleben.“
„Warte ganz langsam, bevor du einem von deinen Männern an die Gurgel gehst, musst du mir noch etwas zuhören. Ich bin nicht nur gekommen, um euch zu sagen, dass der König nicht ins Dorf kommt.“ Sondern es gibt noch einen anderen Grund. Er hat mich aber geschickt, fähige Männer zu suchen, die an dem Turnier morgen teilnehmen können. Viele der Prinzen und Adligen leiden an einer Grippe und der König will das Turnier nicht absagen. Hättet ihr Interesse am Turnier teilzunehmen? Als Preis wird der Sieger in den Adelsstand erhoben und könnte als Ritter dem König dienen.“ Sir Smith, hat es die Sprache verschlagen, was sehr selten passiert. „Ist das Ihr Ernst, wir, wir normalen Dorfbewohner dürfen an dem Turnier teilnehmen? Das ist ein Meilenstein, das hat es so noch nie gegeben! Ich bin überwältigt!“ Als George, Siegfried und die andern dies hören, johlen sie und machen Luftsprünge, bis Sir Smith sie darauf hinweist, dass dies kein Verhalten für Ritter ist. George sagt sofort beschämt: „ Ja du hast Recht, ab jetzt wollen wir uns richtig ritterlich verhalten. Wir werden uns anstrengen, nicht wie Bauern zu wirken, wenn wir morgen gegen die Adelsleute ankämpfen werden.“
Da wird Siegfried kreideweiss: „Wir haben weder Schilde, noch passende Rüstungen, geschweige Wappen und genügend Pferde, wir werden uns so richtig blamieren, wenn wir nicht sofort eine Lösung finden.“ Sir Smith schaut ihn an und sagt: „Ja du hast Recht, aber ich habe da schon einige Ideen: Die Rüstung können wir selbst herstellen, ebenso den Schild. Die Wappen müssen wir halt noch erfinden und sie auf den Schild zeichnen und auch wegen den Pferden werden wir sicher noch eine Lösung finden.“
„Aber mit Baldrian werde ich wirklich noch ein ernstes Wörtchen reden müssen. Sein Verhalten ist ja unerhört.“ Smith ereifert sich und kommt zum Schluss, „trotzdem will ich es ihm nicht verwehren, ans Turnier mitzukommen. Wenn aber nur in der Gestalt des Hofnarrs, etwas anderes hat er nicht verdient.“ Die anderen Dorfbewohner stimmen ihm zu und freuen sich weiter darüber, dass sie zum Turnier eingeladen wurden.
Tag 6:
Turnier im Schloss
Die Dorfbewohner haben die ganze Nacht gearbeitet, sie haben Rüstungen aus Metallresten gebaut, Schilde aus Holz hergestellt, Wappen erfunden und diese auf die Schilde gemalt. Nur Pferde konnten Sie keine finden. George war extra auf der ganzen Insel herumgeirrt, doch konnte kein einziges Pferd finden. Todmüde und enttäuscht legte er sich auch schlafen und wird nach einer Stunde vom lauten Krähen des Hahns wieder geweckt. Halbschlafend kommt er auf den Dorfplatz, wo sich die andern auch schon versammelt haben, sie alle sehen etwa genau gleich schlimm aus wie er. Nur Sir Smith scheint wieder mal so richtig ausgeschlafen und in Form zu sein. George geht schnurstracks auf in zu: „Soso Smith, während die andern gearbeitet haben, hast du geschlafen, wie? Oder wie ist deine gute Form heute Morgen zu erklären?“ Smith grinst und sagt: „Auch dir ein guten Morgen George, du scheinst heute Morgen nicht gerade von der Muse geküsst worden zu sein wie? Mein Geheimnis ist eigentlich gar kein Geheimnis, ich habe heute einfach ein Bad im Bergbach genommen, was mich so richtig geweckt hat, und seither fühle ich mich wie neu geboren.“ George schaut ihn erschrocken an: „Was im Bergbach, um diese Jahreszeit? Der hat ja höchstens zehn Grad, da rein zu springen ist ja lebensmüde. Doch wenn es nützt, warum nicht.“ Er tuts Sir Smith gleich und mit ihm alle andern, die am Turnier teilnehmen wollen. Erfrischt und viel weniger müde machen sie sich auf zum König, da sie keine Pferde haben, begnügen sie sich mit den Steckenpferden, die sie von den Kindern entwendet haben. Siegfried sagt zu George: „Ich komme mir mit diesen Steckenpferden schon sehr dämlich vor, aber es wird wohl besser sein als gar nichts.“ George stimmt ihm nickend zu, er ist ganz vertieft damit, sich das kommende Turnier auszumalen.
Als sie auf dem Schloss angekommen sind werden sie von Timobald empfangen: „Herzlich willkommen auf unserer bescheidenen Burg, ich sehe, ihr habt passende Rüstungen und Wappen dabei. Ich werde euch von den Herolden auf dem Turnierplatz ankündigen lassen. Nur eure Pferde lässt ihr lieber hier, ihr wollt euch ja nicht blamieren, oder?“ Er zwinkert Sir Smith zu und macht sich auf, seinen Gästen die Burg zu zeigen und sie auf den Turnierplatz zu führen. Dieser ist sehr gross und besteht aus verschiedenen abgegrenzten Bereichen. Als erstes fällt der Platz auf, auf dem der Tjost, der Wettkampf zu Pferde mit gezogener Lanze ausgetragen wird. Daneben ist eine Tribüne aufgestellt, wo soeben der König mit seiner mürrischen Tochter Platz genommen hat. „Die sieht ja nicht wirklich glücklich aus, hübsch ist sie, ja, aber trotzdem möchte ich nicht jeden Morgen in ihr Gesicht blicken müssen“, sagt Siegfried zu George und lacht. Kurz darauf verkünden Fanfaren den Beginn des Turniers. Die Dorfbewohner werden in kleinen Gruppen den verschiedenen Plätzen zugewiesen, auf denen sie ihr Können beweisen sollen. George schlägt sich tapfer, aber trotzdem schafft er es nicht, beim Schwertkampf seinen Gegner zu schlagen, ähnlich ergeht es Siegfried, der sich im Ringkampf behaupten muss. Sir Smith steht auf der Tribüne und schaut zu, für ihn als Adelsmann geziemt es sich nicht, am Turnier teilzunehmen. Als das Turnier vorüber ist, kommen alle ziemlich niedergeschlagen zur Tribüne und erzählen, wie es ihnen ergangen ist. „Er war einfach zu gross, beinahe schon ein Riese, gegen ihn zu gewinnen war unmöglich“, sagt Siegfried. Auch George muss kleinlaut zugeben, dass auch er es nicht in die nächste Runde geschafft hat. Sir Smith will sie trösten: „Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, den König auf sich aufmerksam zu machen und als Ritter entdeckt zu werden. Kommt erst mal mit und stärkt euch am reichhaltigen Büffet, bevor wir wieder ins Dorf zurück gehen.“ Nachdem sie sich gestärkt haben, geht es ihnen schon ein wenig besser. Trotzdem ist die Stimmung auf dem Weg, vom Schloss zurück ins Dorf, nicht so ausgelassen wie auf dem Hinweg. Bevor sich alle ganz erschöpft in ihre Betten legen, besprechen sie noch die Ereignisse des Tages. Alles in Allem sind sie vor allem Stolz darauf, überhaupt am Turnier teilgenommen zu haben.
Tag 7:
Entführung der Prinzessin
Noch bevor es Tag geworden ist, ja sogar bevor der Hahn die Chance hatte zu krähen, ertönen die Fanfaren des Königs. Diese erklingen nur, wenn der König höchstpersönlich irgendwo in Erscheinung tritt. Sofort sind alle Dorfbewohner auf dem Dorfplatz versammelt. „Die Prinzessin ist entführt worden, bis jetzt haben wir zwar noch keine Geldforderung erhalten, aber diese wird sicher bald kommen.“ Der König ist ganz aufgelöst vor Sorge: „Es ist unglaublich, jemand von der Leibwache hatte sie auf das Plumpsklo begleitet und davor gewartet. Als sie aber nicht herauskam nach einer halben Stunde, hatte dieser an die Tür geklopft. Als die Prinzessin die Türe noch immer nicht öffnete, hatte er den Schlüsselmeister geholt, der dann die Türe öffnete. Von der Prinzessin fehlte jede Spur, nur ein Armband von ihr lag am Boden, und ins Dach war ein Loch gemacht worden, in das locker jemand hätte hinein und auch wieder hinausklettern können.“
Die Dorfbewohner hielten bei der Schilderung die Luft an und schauten sich erschrocken an. Auch Smith ist immer bleicher geworden und kämpft nun mit Mühe um seine Fassung. Leise sagt er: „Das kann ja gar nicht wahr sein. Zuerst diese gefälschte Nachricht bezüglich des Drachen und nun verschwindet die Prinzessin tatsächlich, dies kann ja fast kein Zufall sein.“ Der König horcht überrascht auf, als er Smith von der gefälschten Nachricht sprechen hört. Doch er hat momentan nicht die Kraft nachzuhacken. „Der Grund weshalb wir zu euch ins Dorf gekommen sind ist folgender, wie ihr wisst, sind die meisten Ritter momentan mit einer Grippe im Bett. Ich selbst bin nicht in der Verfassung, meine Tochter auf eigene Faust zu suchen, und alle Diener und anderen Leute, die noch im Schloss sind, kann ich auf keinen Fall entbehren. Gestern habe ich euren Mut und eure Entschlossenheit gesehen. Darum möchte ich euch bitten, meine Tochter zu suchen. Ich werde euch auch reichlich belohnen, wenn ihr sie mir unversehrt zurückbringt. Aber bitte bringt sie mir zurück, sie bedeutet mir mehr als mein Leben.“
Die Dorfbewohner sind ganz gerührt von der Rede ihres Königs und der Heldenmut macht sich in ihnen breit. Nach einem kurzen Blick auf seine Männer sagt Smith entschlossen: „Ja wir werden deine Tochter suchen und sie dir unversehrt zurückbringen.“ In Gedanken fügt er hinzu: „Auch ein zweites Mal, zum Glück wissen wir, dass es dieses mal nicht vergebens sein wird.“ Entschlossen ruft er: „Männer lasst uns gehen.“ Plötzlich ruft George: „Smith, wo ist Baldrian, ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit wir auf dem Schloss angekommen sind. Eigentlich war doch gedacht, dass er als Hofnarr auftreten sollte, aber er ist vor dem Start seiner Nummer spurlos verschwunden. Ich habe auch schon in seiner Hütte nachgeschaut, dort ist er auch nicht. Kann es vielleicht sein, dass Baldrian hinter dem Ganzen steckt? Wenn ja, ist er diesmal eindeutig zu weit gegangen, die Prinzessin zu entführen, dass geht ja gar nicht.“ Sir Smith wendet ein: „Nur nicht so voreilig! Alleine hätte er gar nicht die Möglichkeit dazu, wenn er es war, dann hatte er Komplizen. Davon wird es auf dieser Insel aber sicher nicht so viele geben. Los machen wir uns auf die Suche.“ Sir Smith berät sich noch mit Archon. Dieser rät ihm, die Suche auf Wald in der Nähe der Küste zu begrenzen, da es so für die Entführer am einfachsten sei zu entkommen, falls die Angelegenheit zu brenzlig für sie würde. Also ziehen die Dorfbewohner erneut voller Tatendrang los, um die Prinzessin zu retten.
Tag 8:
Die Prinzessin gefunden!
Wie Archron ihnen riet, machen sie sich auf die Suche im Wald in der Nähe der Küste. Doch egal wie viel Mühe sie sich geben, sie finden nichts. Nicht die kleinste Spur ist von der Prinzessin zu finden, weder ein gläserner Schuh noch ein seidenes Taschentuch. Plötzlich sagt Siegfried eher in Gedanken: „Die Peacepiraten haben uns auch schon lange nicht mehr besucht, die wohnen ja eigentlich auch gleich in der Nähe.“ Da wird Sir Smith hellhörig: „Das wäre ja das perfekte Versteck, es ist super gelegen, direkt an der Küste, und wer käme schon auf die Idee, dass die gutmütigen Piraten die Prinzessin entführt haben könnten.“ George wendet ein: „Jetzt gehst du aber zu weit Smith, weshalb sollten die Piraten die Prinzessin entführt haben?“ „Ich weiss auch nicht“, entgegnet Smith, „aber ich habe da so mein Gefühl. Kommt, lasst uns die Piraten besuchen, diese sind ja nicht die hellsten, und falls sie die Prinzessin wirklich bei sich haben, werden sie uns dies sicher selbst verraten.“
Als sie bei den Piraten ankommen, werden sie von Giovanotto dem Piratencaptain empfangen: „Was für eine Freude euch endlich wieder einmal zu sehen. Sagt, was verschafft mir die Ehre eures Besuches?“ Sir Smith schaut ihn an und sagt: „Wir waren gerade in der Gegend und dachten, wir schauen mal vorbei.“ Irgendwie tönte dies aber nicht ganz überzeugend und Giovanotto schaut ihn etwas schräg an. „Na dann freu ich mich doch, kommt auf mein Boot, mi casa e su casa, oder so ähnlich.“ Er lacht sein dreckiges Lachen und die Leute folgen ihm aufs Boot. „Wo ist denn deine Besatzung?“, fragt Smith als er sieht, dass das Boot menschenleer ist. „Ja die schlafen alle, haben wohl etwas zu viel gegessen gestern Abend.“ „Gegessen, ich dachte ihr haltet strikte Diät, da ihr so knapp bei Kasse seid.“ „Das stimmt, aber gestern haben wir uns wieder einmal ein richtiges Festmahl geleistet, mit allem drum und dran.“ Da wird Smith skeptisch: „So, und woher hattet ihr das Geld, um euch ein Festmahl zu leisten?“ Giovanotto wird etwas rot und meint: „Ja weisst du, wir konnten da ein kleines Geschäft machen“, „ein Geschäft?“ fällt ihm Smith ins Wort, aber ihr wisst nicht etwa, wer die Prinzessin entführt hat, oder noch besser, wo sie sich zurzeit aufhält?“ Da wird Giovanotto röter als jede Tomate und beginnt zu stottern: „Ne-nein wir, äh ich me-meine, ich ha-habe ke-keine Ahnung von was du sprichst, wa-was, die Prinzessin wurde entführt, da-das ist ja unglaub-blich!“ Smith schaut ihn streng an und sagt: „Du weisst, was mit dir passiert, wenn der König erfährt, dass ihr in die Entführung seiner Tochter verwickelt seid. Ich frage dich jetzt noch einmal, weisst du, wo die Prinzessin ist und wer sie gekidnappt hat?“ Giovanotto schaut ihn an und murmelt: „Ja-a, wir warens, wir hatten schon so lange nicht mehr gut gegessen. Baldrian hat uns etwas gezahlt, damit wir ihm bei der Entführung helfen. Wir haben der Prinzessin aber kein Haar gekrümmt, ehrlich, wir sind immer noch voll peacemässig drauf. Smith schaut ihn streng an: „Ich glaube dir und ich werde diesmal noch ein Auge zudrücken, wenn ihr die Prinzessin so schnell wie möglich dem König zurückbringt. Aber vorher möchte ich mit Baldrian noch ein Hühnchen rupfen, wo ist er?“ Giovanotto ist sichtlich erleichtert und ruft Baldrian, er soll aus seinem Versteck kommen. Als Baldrian auftaucht, schaut ihn Smith so richtig böse an, so böse, dass Baldrian das Blut in den Adern gefriert. „Baldrian, hast du mir etwas zu sagen.“ Baldrian kann nur den Kopf schütteln, ihm hat es die Sprache verschlagen. „Dann rede ich halt, Baldrian, du hast mich zutiefst enttäuscht, ich dachte wirklich, die extra Arbeit würde deine Gesinnung ändern, aber du konntest einfach nicht aufhören. Deshalb wirst du nun für alle im Dorf Knappe sein, ich hoffe, dies ist dir eine Lehre und gibt dir genügend Zeit zum Nachdenken.“ Baldrian nickt mit dem Kopf und schaut aus, als wäre er soeben mit kaltem Wasser übergossen worden. Die andern stehen um ihn rum und können sich beinahe das Lachen nicht mehr verkneifen. Sobald sichergestellt war, dass die Prinzessin aufs Schloss zurückgebracht wurde, machten sie sich auf den Weg zurück ins Dorf.
Tag 9:
Ritterschlag/Fest
Im Dorf ist etwas Ruhe eingekehrt, alle sind ziemlich erschöpft von den letzten Tagen und geniessen es, von Baldrian bedient zu werden. Das Trainieren hat etwas abgenommen, da alle Muskelkater haben vom Klettern und durch den Wald Laufen. Zudem erwarten sie auch nicht, dass der König sich in der nächsten Zeit blicken lässt. Da haben sie sich aber gehörig getäuscht. Zwei Tage nachdem die Prinzessin aufs Schloss zurückgebracht wurde, hören sie Fanfaren, die nicht weit vom Dorf weg zu sein scheinen. Alle versammeln sich auf dem Dorfplatz und warten gespannt ab, wer da wohl kommen wird. George sagt zu Siegfried: „Dies ist bestimmt der König, der uns für unsere Hilfe danken wird, vielleicht hat er ja jetzt gesehen, wie tapfer wir sind.“ „Meinst du wirklich?“, entgegnet Siegfried, „ich denke nicht, dass er uns speziell rühmen wird, schliesslich sind wir nur einfache Dorfbewohner und haben ja die Chance am Turnier, unser Können zu zeigen, nicht wirklich genutzt.“ „Ja aber“, will George einwenden, doch er verstummt, als tatsächlich der König auf den Platz geritten kommt.
An seiner Seite sitzt ganz unverhofft die Prinzessin, die für einmal sogar gutgelaunt zu sein scheint. „Meine tapferen Dorfbewohner“, beginnt der König, „ich bin euch wirklich zu Dank verpflichtet, dass ihr meine liebe Tochter gefunden und sie vor schlimmerem bewahrt habt. Seit diesem Tag ist sie froh, im Schloss zu wohnen, und darüber bin ich sehr erleichtert. Ich weiss, dass ihr auch am Turnier euer bestes gegeben habt, doch leider konntet ihr euch da nicht behaupten, ich hätte euch gerne in den Adelsstand erhoben.“ Enttäuschte Ausrufe sind auf dem Platz zu hören. „Aber, ich als König habe das Recht, Leute die sich als fähig erwiesen haben und einen besonderen Beitrag an die Gemeinschaft geleistet haben, in den Adelsstand zu erheben.“ Plötzlich wird es auf dem Platz mucksmäuschenstill, niemand mag zu atmen und niemand wagt zu denken, was der König wohl als nächstes sagen wird. „Da ihr eure Tapferkeit erwiesen habt, eure Treue mir als König und der Prinzessin gegenüber, und da ihr ohne zu überlegen euch auf die Suche nach ihr gemacht habt, obwohl ihr gerade das Turnier verloren habt, habt ihr euch als des Rittertitels würdig erwiesen. Ich werde nun jeden, der diesem Dorf angehört, zum Ritter ernennen, als Dank für eure Tugenden und als Aufforderung, in der Zukunft gleichwohl zu handeln.“ Zuerst herrscht ein ungläubiges Schweigen auf dem Platz, bis plötzlich ein kleiner Begeisterungsschrei zu hören ist, es werden immer mehr, bis der Platz vor Freude bebt. Die Leute liegen sich in den Armen, rufen und lassen den König hochleben.
Smith ist der erste, der sich einigermassen beruhigen kann und ruft: „Liebe Leute, dieses Verhalten ist aber nicht sehr ritterlich, ich muss euch bitten, euch etwas zu mässigen.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Ganz ehrlich, kann ich es auch nicht wirklich fassen, dass dies wirklich passiert ist.“ Die Dorfbewohner lachen und versuchen sich ritterlich zu verhalten, doch es gelingt den wenigsten, sie sind einfach viel zu aufgeregt. George ist der nächste der sich einigermassen beruhigen kann, er ruft: „Kommt lasst uns heute Abend ein Fest feiern, alle sollen dabei sein, wir wollen ritterlich essen, tanzen und so richtig geniessen!“ Er erntet begeisterte Jubelrufe, nur einer schaut etwas bedrückt, Baldrian ist sich nämlich bewusst, dass er nicht in den Ritterstand gehoben werden wird. Sir Smith schaut ihn etwas mitleidig an und sagt: „Ich gebe dir heute Abend frei, du sollst auch mitfeiern dürfen, dass du nicht zum Ritter ernennt wirst, ist dir ja sicher klar. Trotzdem gehörst auch du zum Dorf und wirst ja hoffentlich auch mal zum Ritter ernennt werden können, wenn deine Gesinnung sich endlich ändert.“ „Danke“, sagt Baldrian und ist beinahe zufrieden. George ruft: „Die Peacepiraten dürfen natürlich auch nicht fehlen, los, lasst sie uns einladen und anschliessend mit dem Vorbereiten beginnen, dies wird das Fest des Jahres, ach was, das Fest des Jahrhunderts werden!“







